Neonazi-Gruppe „Rheinland verteidigen“ auch in Düsseldorf aktiv

Seit Anfang des Jahres tritt eine neue, neonazistische Gruppe mit dem Namen Rheinland verteidigen in Erscheinung. Erstmals wurde sie am 14. Februar 2026 beim Neonazi-Aufmarsch in Dresden gesichtet, als ihre Anhänger hinter einem antisemitischen Transparent mit der Aufschrift „Bombenholocaust“ herliefen.

14.02.2026 Neonazi-Aufmarsch in Dresden © Pixelarchiv

Ihre ersten, öffentlich wahrnehmbaren Aktivitäten im Rheinland datieren auf den 23. Februar 2026: Dabei wurden laminierte Propagandaplakate mit dem Logo der Gruppe gegen vermeintliche „Überfremdung“ in Düsseldorf-Oberbilk verklebt. Kurz darauf posierten sechs Personen mit dem Banner „Rheinland verteidigen – Remigration JETZT!“ auf dem Kirchplatz in Düsseldorf-Unterbilk. Seither häufen sich in dem Viertel neonazistische Sticker. Mitte März suchten Anhänger der Gruppe den Kirchplatz erneut für ein Fotoshooting mit demselben Banner auf – diesmal mit dreizehn Personen. Fotos der Aktionen wurden jeweils in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Bei einer Veranstaltung der Neonazi-Partei Die Heimat in Dortmund-Dorstfeld Ende Februar 2026 fungierten drei Mitglieder der Gruppe als Türsteher. Sie trugen dabei einheitlich „Rheinland verteidigen“-Shirts.1
Die drei Personen bilden aktuell den Kern der Gruppierung; zwei von ihnen sind namentlich bekannt:

Sven Gustavsohn (Jahrgang 1980) aus Düsseldorf-Unterbilk war bereits 2001 als Neonazi-Skinhead an einem gewalttätigen Übergriff auf Gäste einer linken Kneipe in Unterbilk beteiligt und wurde damals zu einem Jahr Jugendhaft auf Bewährung sowie 80 Sozialstunden verurteilt.2
Nach einer Phase im Rotlichtmilieu geriet Gustavsohn ab 2023 erneut in den Fokus antifaschistischer Recherchen. Seither ist er bei diversen Veranstaltungen der extremen Rechten in Düsseldorf zu sehen, etwa bei AfD-Infoständen und Saalveranstaltungen. Dabei hielt er sich überwiegend im Hintergrund, oft in Begleitung von Stefan Rasche, der in den 1990er-Jahren in den Rechtsrockbands Störkraft und Starkstrom aktiv war.

V.l.n.r.: Stefan Rasche, Sven Gustavsohn und ein weiterer Neonazi bei einer AfD-Kundgebung am 16.03.2024 im Zoopark in Düsseldorf © Antifa-Infoportal Düsseldorf

In den vergangenen zwei Jahren agierte Sven Gustavsohn als eine Art „Anführer“ in neu entstehenden neonazistischen Jugendstrukturen, unterstützte unter anderem queerfeindliche Proteste gegen CSD-Veranstaltungen und näherte sich – gemeinsam mit dem Kölner Alexander Mies – der Partei Die Heimat an.

Alexander Mies (Jahrgang 1989) gehörte noch 2025 dem neonazistischen Zusammenhang Der Störtrupp an. In Nordrhein-Westfalen geriet die Gruppe Mitte Juli 2024 in die Schlagzeilen, als ihre Anhänger beim Kölner Christopher Street Day Pride-Flaggen abrissen und queerfeindliche Parolen riefen. Zudem war Mies im April 2025 an einem versuchten Übergriff auf Antifaschist*innen in der Domstadt beteiligt.3

Neben einem dritten, bislang nicht namentlich identifizierten Akteur von Rheinland verteidigen präsentiert sich aktuell Wolf Dietrich Eichler (Jahrgang 1959) aus dem Rhein-Kreis Neuss als weiterer, selbst ernannter „Rheinlandverteidiger“. Eichler kandidierte 2020 erfolglos bei den Kommunalwahlen für die AfD in Neuss. Etwa zu dieser Zeit bewegte er sich im Umfeld der neonazistischen Bruderschaft Deutschland (BSD).4

Vernetzung zwischen AfD und neonazistischen Strukturen im Rheinland?

Bereits am 11. Dezember 2025 nahmen Eichler, Gustavsohn und Mies als Gäste an einer Veranstaltung der AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag teil. Dort posierten Gustavsohn und Mies höhnisch vor dem Porträt der im Mai 2025 verstorbenen Shoah-Überlebenden Margot Friedländer. Gustavsohn ließ sich zudem mit der stellvertretenden AfD-Fraktionsvorsitzenden Enxhi Seli-Zacharias fotografieren.5

Weitere Aufnahmen zeigen Gustavsohn inmitten der Düsseldorfer AfD-Politiker*innen Marco Vogt, Dr. Uwe Bresztowszky, Andrea Kraljic und Dennis Busch bei einem Vortragsabend mit dem rheinland-pfälzischen Landtagsabgeordneten Joachim Paul am 19. Juni 2025 im Dortmunder Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich.

Screenshot TikTok: Vortragsabend mit Joachim Paul am 19.06.2025 in Dortmund zum Thema "Die Nibelungen – ein deutscher Mythos"
V.l.n.r.: Dennis Busch, Marco Vogt, Sven Gustavsohn, Dr. Uwe Bresztowszky und Andrea Kraljic

Auf lokaler Ebene zeigt sich zudem eine Vernetzung zwischen Sven Gustavsohn und dem Düsseldorfer AfD-Kommunalpolitiker Dennis Busch.
Busch leitet die AfD-Fraktion in der Bezirksvertretung Garath/Hellerhof, war Mitglied der Bruderschaft Deutschland und unterhält weiterhin Verbindungen zu ehemaligen Mitgliedern wie Ralf Nieland. Anhänger von Rheinland verteidigen sind darüber hinaus auf Gruppenfotos mit weiteren, ehemaligen BSD-Mitgliedern wie dem Solinger Steffan Reinhartz zu sehen. Insgesamt lässt sich Rheinland verteidigen als neuer Versuch werten, eine im Rheinland verankerte, lose an Die Heimat und die Jungen Nationalisten angelehnte neonazistische Struktur aufzubauen.
Bemerkenswert ist dabei die offenkundige Distanzlosigkeit zwischen Neonazis wie Sven Gustavsohn und AfD-Politikern wie Dennis Busch.

  1. https://x.com/InfoportalDUS/status/2027850688672264240 ↩︎
  2. https://terz.org/2002/0708/tigges-prozess.html ↩︎
  3. https://lotta-magazin.de/ausgabe/99/jungnazi-strukturen-in-nrw/ ↩︎
  4. https://x.com/InfoportalDUS/status/1325388250131918848 ↩︎
  5. https://x.com/InfoportalDUS/status/2000633851820102111 ↩︎
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